Doch was bedeutet das eigentlich? Oft geht es darum, die eigenen Grenzen zu überwinden, Ängste zu konfrontieren und das Unbekannte zu erkunden. Für mich war das lange Zeit nur ein kryptischer Satz, bis ich die Fotografie für mich entdeckte. Was als Reinschnuppern in einem Fotokurs begann, entpuppte sich als eine Reise zu mir selbst. Ich habe die Fotografie unterschätzt und durch sie eine Möglichkeit gefunden, mich selbst besser kennenzulernen.
Für meine erste Selbstinszenierung stellte ich mir die entscheidenden Fragen: Was würde ich nie machen? Wer werde ich nie sein? Die Antworten darauf waren genauso schnell wie unbequem: Ich werde niemals Aktmodel sein. Doch warum eigentlich? Was würde passieren, wenn ich genau das in den Fokus rücke und mich dort zeige, wo ich mich am verletzlichsten fühle?
Dieses Foto zu inszenieren, hatte einen erdrutschartigen Effekt auf mich, weil es einen Dialog eröffnete, der mich schon mein ganzes Leben begleitete: Fatphobia. Die Angst und Abneigung gegenüber Körpern, die nicht dem gesellschaftlichen Ideal entsprechen, waren nicht nur eine äußere Realität, sondern auch ein innerer Konflikt, den ich immer wieder mit mir selbst austragen musste. Ich wuchs in einer Welt auf, die mir subtil und auch ganz offen vermittelte, dass mein Körper nicht so sein sollte, wie er ist. Diese ständige Kritik, diese Wertungen und die nie endende Flut an (Diät-)Ratschlägen haben tiefe Spuren der Verunsicherung hinterlassen, die ich dank dieser ersten Selbstinszenierungen heute hinter mir gelassen habe.
Erste Selbstinszenierung
Text auf gebrochener Kuppel:
"sorry for having a body"